Viele von euch haben letzte Woche mit verfolgt, wie wir auf der Suche nach Roxy waren, heute möchten wir euch davon berichten (Sorry, es ist ein kleiner Roman geworden. Aber beim Schreiben habe ich es quasi nochmals durchlebt )

Roxy ist eine ängstliche Hündin, ca. 1,5 Jahre. Aus unserem „menschlichen“ Leben kennst sie fast nichts: Der Mensch selbst, eine Wohnung, Autos, alles ist neu für sie – und beängstigend! Das „tierische“ Leben kennt sie von Griechenland: Hof, Hunde, Ziegen, Schafe, Esel, Hühner – und findet es gut.
In Deutschland wurde eine Pflegestelle gefunden, genauestens aufgeklärt und die liebe Roxy durfte einreisen. Doppelt gesichert mit Sicherheitsgeschirr (d.h. das Geschirr hat drei Riemen, der letzte hinter dem Rippenbogen) und Halsband übergeben wir sie in die Obhut der Pflegestelle. Wir freuten uns so für Roxy!

Doch 6 Tage später kommt der verheerende Anruf: Roxy ist durch die Katzenklappe abgehauen…. Durch die Katzenklappe? Wir konnten es erst kaum glauben, doch alles sah danach aus. Roxy ist weg! Und das nach 6 Tagen… Sie hatte noch wenig Vertrauen zur Pflegestelle aufgebaut, wie sollten wir sie wieder bekommen? Anlocken und einfangen – unmöglich Es war wirklich ein Freitag, der 13.!
Unsere erste Hoffnung: Bitte lass Roxy keine Läuferin sein! Hoffentlich hat sie sich irgendwo im Gebüsch verkrochen… Wir stellen Futter im Garten auf und installierten die Wildkamera.
Doch am nächsten Tag die Ernüchterung: Keine Roxy auf der Kamera…
Den nächsten Schritt haben wir bereits am Tag davor vorbereitet: Flyern! Ohne Flyern, keine Sichtung. Schwarzer Hund mit rotem Geschirr – den muss doch jemand entdecken…
Und tatsächlich, mittags kommt der erste Anruf: Schon über 11 km entfernt…. Natürlich keine Strecke für einen Hund, aber sie scheint eine Läuferin zu sein… Nicht umsonst sagt man, dass man mind. 20 eher 30 km um den Entlaufort flyern soll! Doch wohin ist sie unterwegs? Dreht sie? Die Sichtung liegt mitten im Wald. Wird sie sich verkriechen? Wird sie die Nähe von Menschen suchen?

Für uns folgen Stunden durchzogen von Ups and Downs: Sichtung um Sichtung strudelt ein, wir flyern wie wild, versuchen ihr immer voraus zu sein. Doch bei Roxys Geschwindigkeit schwierig. Dann die nächste Sichtung, ganz in unserer Nähe. Wir zeigen allen Anwohnern die Flyer. Kleben die letzten Flyer in der Siedlung auf, doch Roxy ist schon lange auf und davon. Wir ziehen weiter in Roxys Laufrichtung um ihr wieder zuvor zu kommen. Ohne Flyer fragen wir jeden Spaziergänger ob er den letzten Flyer abfotographieren kann. Alle sind total hilfsbereit und die Reiterhöfe hängen es am schwarzen Brett auf. Dann eine Sichtung: Roxy war keine 30m entfernt!
Jetzt ruhig bleiben: Bloß nicht hetzen. Fangen klappt soweiso nicht.
Wir flyern weiter! Wir flyern und flyern, bekommen Sichtung um Sichtung… Doch Roxy zieht weiter.

Der nächste Tag bringt etwas bessere Nachrichten. Sie hat gedreht und ist etwas näher Richtung Entlaufort gekommen. Da sie nicht mehr so schnell wandert, richten wir an zwei Höfen Futterstellen ein, Wildkameras werden angebracht. Doch am Abend die Hiobsbotschaft: Sie ist auf der Schnellstraße!!! Wir erstarren alle! Überlebt sie das? Hoffentlich passiert niemandem was!
Doch sie schafft es runter!
Jedoch wurde sie dadurch weiiit abgetrieben. Am nächsten Tag ist sie über 20 km entfernt

Wieder wird geflyert. So viele km sind selbst wir Hundemenschen schon lange nicht mehr gelaufen!
Abends der Check der Futterstellen: Natürlich sind die Kameras leer, aber ein bisschen verzweifelte Hoffnung bleibt und wir bestücken sie neu. Roxy ist so weit weg, vermutlich wird auch die kommende Nacht kein Bild von ihr entstehen….
Dann passiert das Unglaubliche: Es ist bereits dunkel, doch wie im Liveticker kommen die Sichtungen rein. Im Viertelstunden-Takt können wir verfolgen, wie sie zurück kommt: Ca. 15 km in 1,5h – saubere Leistung! Bitte komm zu den Futterstellen – bitte bitte! Doch wieder zieht sie dran vorbei…

Am nächsten Morgen um 07:00: Sie ist am Entlaufort. Kaum zu glauben! Sie läuft sogar mit ein paar Hunden ein Stück mit. Scheint Anschluss zu suchen. Sie hält sich dort den ganzen Tag auf, liegt in einer Apfelplantage in der Sonne. Sie scheint Kraft tanken zu müssen. Eine liebe Helferin läuft Runde um Runde mit ihren Hunden Gassi (mit viel Abstand) und berichtet uns, bis wir vor Ort sind.
Jetzt muss es schnell gehen, aber trotzdem ruhig ablaufen: Wo soll die Lebendfalle hin? Wir entschließen uns für die Apfelplantage (natürlich mit dem Besitzer abgeklärt)…
Zwei Stunden später steht die Falle, die Futterspur ist gelegt. Roxy ist noch da, hat sogar kurz Kontakt zu uns aufgenommen und lässt sich auch von einem Traktor nicht abschrecken, der interessiert sie sogar eher – klar, das kennt sie vom Hof!

Wir ziehen uns zurück. Es ist 18:02 Uhr. Jetzt muss das Brathähnchen den Rest erledigen…
Und es funktioniert: Roxy will das leckere Fleisch haben, doch traut sich nicht rein. Von der Seite aus kommt man ja vllt auch an ran? Zweimal versucht sie es, dann verschwindet sie und es wird dunkel.

Die erste Wache (vom Auto aus) beginnt. Die anderen fragen, was man sieht? Nichts, es ist dunkel… Meine Güte, das ist ja nicht auszuhalten! Ist sie überhaupt noch da?
Zum Glück kommt noch jemand dazu! Zu zweit Wache halten ist immer angenehmer. Wir versuchen uns mit Süßigkeiten über Wasser zu halten und abzulenken.
Doch in der Dunkelheit hat es keinen Sinn. Es ist so kalt, dass wir nicht die ganze Nacht das Fenster offen lassen können. Der Fallenmelder muss also ran! Die Teamkollegin erklärt am Telefon, wie der Fallenmelder funktioniert und er wird ran gebaut. Es ist 20:12 Uhr. Auch mit der Taschenlampe sehen Roxy nicht. Ist sie wieder losgezogen? Falls sie noch in der Nähe ist, haben wir sie jetzt bestimmt wieder verschreckt…
Wir setzen uns wieder ins Auto, stellen uns auf eine lange Nacht ein. Und da klingelt das Handy: Der Fallenmelder hat ausgelöst! „Nicht dein Ernst?“ Es ist 20:22 Uhr.

Und tatsächlich! Roxy ist in der Falle! Die Freudentränen kullern!!!

Die liebe Roxy musste danach noch etwas durchhalten. Um sie ohne Risiko aus der Falle zu holen, wurden die Räder dran geschraubt und die komplette Falle in eine Garage geschoben. Während der halben Weltreise durchs Dorf fraß Roxy gemütlich das restliche Hühnchen auf. Der Schock scheint sich schnell gelegt zu haben
21:51 Uhr, Roxy ist doppelt gesichert und im Auto.

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Wir möchten uns nochmal bei allen Helfern bedanken, die geflyert haben; bei allen, die uns eine Sichtung gemeldet haben; bei allen, die uns spontan geholfen haben – egal ob über facebook teilen (danke auch an HeBW), Kamera auslesen, Grünschnitt für die Falle, einer Garage oder oder oder!

Vielen Dank an K9 Suchhunde Neckar-Fils, von denen ich so viel gelernt habe und die mir immer mit Rat und Tat zur Seite stehen!
Und ein riesen großes Dankeschön geht an unser Fellnasen-Team: Es war stressig, anstrengend und nervenaufreiben ( und ich war das alles auch für euch), aber ihr habt so gut zusammengehalten, durchgehalten, alles gegeben! Ich bin so wahnsinnig stolz auf Euch!!!